Jeremy!
28 Punkte und acht Assists in seinem ersten Start in der NBA. Im Madison Square Garden. Eine größere Bühne hätte sich Jeremy Lin nicht aussuchen können.
28 Punkte und acht Assists in seinem ersten Start in der NBA. Das war das letzte Mal 1981 einem 20-jährigen Rookie der Detroit Pistons gelungen. Sein Name: Isiah Thomas.
Nicht, dass hier der falsche Eindruck entsteht: Jeremy Lin ist kein Isiah Thomas. Auch wenn er zwei Tage vor seinem Debüt in der Ersten Fünf Deron Williams mit 25 Zählern und sieben Assists an die Wand spielte.
Jeremy Lin wurde nicht einmal gedrafted, als er 2010 von der Harvard University in die NBA kam.
Aber … Jeremy Lin? Da war doch was? Richtig. Summer League 2010.
Die Dallas Mavericks lassen ihre Youngster in Las Vegas gegen die Frischlinge der Washington Wizards antreten. Sein Gegenspieler an diesem Tag: der erste Pick der Draft, der kommende Superstar John Wall.
13 Punkte, vier Rebounds, je zwei Assists und Steals später spricht niemand von Wall. Lins freches Spiel beeindruckt die Mavs und sorgt für einige neue Youtube-Videos. Lin spielt clever, geht ohne Furcht zum Korb und verteidigt, als ginge es um die Meisterschaft. „Wir sind extremst an diesem jungen Spieler interessiert“, verrät Dallas’ General Manager Donnie Nelson damals.
„Mr. Nelson sagte mir, dass er die Art, wie ich Basketball spiele und meine Intelligenz auf dem Feld schätzt und dass ich noch ein Jahr in der D-League brauchen würde, um ein NBA-Spieler zu werden“, erinnert sich Lin. „Deshalb draftete mich Dallas damals nicht. Sie wollten, dass ich mich ein Jahr in der D-League entwickele und dann zum Team stoße.“
Es kommt anders …
Die Golden State Warriors verpflichten, den im Palo Alto aufgewachsenen Lokalmatadoren, als Backup für Point Guard Stephen Curry. In Oakland spielt der damals 22-Jährige Rookie allerdings gerade einmal 9,8 Minuten pro Partie.
Die Warriors merken, was Donnie Nelson schon im Sommer wusste: Jeremy Lin braucht noch Zeit.
In der kurzen Transferperiode vor Beginn der Spielzeit 2011/12 brauchen die Warriors etwas anderes: freie Gehaltsressourcen. Sie wollen DeAndre Jordan von den Clippers als Restricted Free Agent in die Stadt locken. Also geben sie Lin frei, um das bestmögliche Angebot abgeben zu können
„Ich freue mich sehr für Jeremy. Wir dachten immer, dass er talentiert ist und in der NBA spielen kann“, sagt Joe Lacob, Mitbesitzer der Warriors. „Wir hofften wirklich, dass kein anderes Team ihn verpflichten würde. Dann aber griff Houston zu. Als die Rockets ihn gehen ließen, wollten wir ihn holen, aber die Ligaregeln verboten dies. Dann sicherten sich die Knicks Jeremys Dienste.“
Und ausgerechnet im Big Apple wird Jeremy Lin jetzt zum Volkshelden. In der Stadt, in der schon John Starks vom Tütenpacker zum All Star wurde.
Wie wird dieses Märchen enden?
Sicher ist, dass Jeremy Lin noch einiges beweisen muss. Bisher fällt sein Dreier nicht. Er lebt von seiner Schläue, den frischen Beinen und der Unbekümmertheit. Die Gegner beginnen erst jetzt, sein Spiel zu scouten und sich auf etwaige Schwächen einzuschießen. Wird er auch noch so brillieren, wenn die Defense ihm gezielt seine Stärken zu nehmen versucht?
Das wird die nahe Zukunft zeigen und in der dürfte Jeremy Lin ohne den verletzten Carmelo Anthony im Team noch einige Chancen bekommen. „All das habe ich noch gar nicht wirklich realisiert“, lacht Lin. „Ich bin ein wenig geschockt von dem, was passiert ist. Ich versuche jetzt erst mal, das alles aufzusaugen und zu genießen.“
Ähnlich dürfte es den arg gebeutelten Fans im Madison Square Garden gehen …


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